PUBLICATION
The Drip: Stimmen zu Wasser, Arbeitsbedingungen und Nachhaltigkeit in der Modeindustrie
„The Drip: Stimmen zu Wasser, Arbeitsbedingungen und Nachhaltigkeit in der Modeindustrie“ ist eine Publikation, die sich mit dem Zusammenhang zwischen Wasser und Mode befasst und die sich überschneidenden sozialen, ökologischen und arbeitsrechtlichen Probleme innerhalb des globalen Modesystems und deren Auswirkungen auf die betroffenen Gemeinschaften und Ökosysteme beleuchtet.
Mit einem besonderen Fokus auf textilproduzierende Regionen in Südasien vereint die Publikation acht Artikel, die drängende Herausforderungen und aufkommende Lösungsansätze rund um Wasser im globalen Modesystem beleuchten. Durch Erfahrungsberichte von Arbeiter*innen und Gemeinschaften, forschungsbasierte Analysen sowie industriebezogene Perspektiven zeichnet die Publikation ein vielschichtiges Bild von Wasser-Governance und Verantwortlichkeit.
Mit Beiträgen von
- Adiba Afros: Unabhängige Beraterin und Forscherin
- Prof. Dr. Shahriar Hossain: Gründer der Environment and Social Development Organization (ESDO)
- Lavinia Muth: Nachhaltigkeitsberaterin, Speakerin und Coach
- Mohammad Monower Hossain: Nachhaltigkeitsstratege, Head of Sustainability bei TEAM Group
- Thivya Rakini & Oorja Engineer: Tamil Nadu Textile and Common Labour Union (TTCU)
- Shivam Gusain: Wasserbauingenieur, Farbstoffchemiker & LCA – Analyst
- Humnah Fayyaz & Tabeer Riaz: Gründerinnen von South Asian Young Women in Water (SAYWiW)
- Ani Wells: Beraterin für nachhaltige Mode und Communication Lead, Cotton Diaries
Die Stimmen
Einblicke in “The Drip”
„Wenn Daten von lokalen Anwohner*innen erhoben werden, tragen sie weit mehr Gewicht als externe Bewertungen. Wir erleben, wie Gemeinschaftsmitglieder von Ohnmacht zu Eigenverantwortung finden.“
Ms. Farhana Islam, ESDO ESDO-Programmkoordinatorin
aus: “Daten schaffen Würde: Gemeinschaftsbasiertes Monitoring in Bangladesch” Von Prof. Dr. Shahriar Hossain
„Ich hätte nie gedacht, dass ich Technologie und Wissenschaft nutzen könnte. Jetzt fühle ich mich wie eine Hüterin der Zukunft meines Dorfes.“
Taslima Khatun, Volunteer
aus: “Daten schaffen Würde: Gemeinschaftsbasiertes Monitoring in Bangladesch” Von Prof. Dr. Shahriar Hossain
“Ein Zulieferer in Bangladesch sagte mir einmal: „Die Auditor*innen kommen, wir zeigen ihnen die Abwasserbehandlungsanlage (ETP), sie prüfen die Unterlagen. Aber die Anlage rund um die Uhr zu betreiben? Das kostet mehr, als die Marke pro Kleidungsstück zahlt. Also schalten wir sie aus, wenn sie weg sind.“
Bescheidene Einsicht: Wir dachten, wir wären die Lösung. Wir waren und sind Teil des Problems.”
Aus: “Über den Audit hinaus: Die Perspektive einer Nachhaltigkeitsberaterin auf Wassergerechtigkeit, gebrochene Versprechen und Verantwortung” Von Lavinia Muth
“Wenn wir mit unseren Kunden sprechen, verlangen sie modernste Infrastruktur, hohe ethische Standards, niedrigen CO²- und Wasser-Fußabdruck, faire Löhne für Arbeiter*innen – und das zu Recht. Doch bei Preisverhandlungen drücken sie uns auf das absolute Minimum.“
Mr. Abdullah Hil Nakib, stellvertretender Geschäftsführer der TEAM Group
Aus: “Der Business Case für Nachhaltigkeit: Was ist Fakt, was ist Trugschluss?” Von Mohammad Monower Hossain
„Wasser zu tragen ist so schwer. Ein Liter ist in dieser Hitze schnell leer – und wie viel können wir mitnehmen? Selbst wenn man nicht pinkelt, ist es bis Mittag aufgebraucht.“ Dhanabhakiyam, Schneiderin und Verpackerin, Erode
Aus: “Unterdrückter Durst: Wasser, Hitze und Ausbeutung in den Textilfabriken von Tamil Nadu” von Thivya Rakini und Oorja Engineer
„Wir verlangen keine Gehaltserhöhung … Ein Glas Limettenwasser – wenn Zitronen zu teuer sind, oder wenigstens kaltes Wasser.“
Thangamani, Näherin, Erode
Aus: “Unterdrückter Durst: Wasser, Hitze und Ausbeutung in den Textilfabriken von Tamil Nadu” von Thivya Rakini und Oorja Engineer
Die Bewältigung von Wasser-Risiken in der Textilindustrie erfordert einen grundlegenden Strategiewechsel. Wasser darf kein Abfallprodukt der Produktion sein, sondern muss zu einer zentralen Designvorgabe und einem Indikator für die Gesundheit des gesamten Systems werden. Dies erfordert ein Umdenken in der Arbeitsweise der Branche: von der bloßen Kontrolle von Abwässern hin zur Reduzierung von Inputs; von reaktiver
Abwasseraufbereitung zu besseren chemischen Entscheidungen; von oberflächlicher Compliance zu echter Transparenz; von isolierten Lösungen zu gemeinsamer Infrastruktur und regionaler Koordination.”
Aus: “Der Kompromiss ums Wasser: Indien, Bangladesch und China” Von Shivam Gusain
„Es gibt nur zwei Toiletten für etwa 50 Frauen“, erklärte sie. Die Einrichtungen sind überlastet, unhygienisch und für die Anzahl der Nutzerinnen unzureichend. Fragen der Gesundheit und Hygiene von Frauen werden weder besprochen noch behandelt. Nicht, weil Frauen solche Anliegen nicht hätten, sondern weil die Unternehmenskultur sie schlichtweg nicht anerkennt.
Aus: “Erkenntnisse aus Faisalabad: Ökologischer und soziale Ungerechtigkeiten im Textilsektor Pakistans” Von Humnah Fayyaz & Tabeer Riaz
“Früher gab es entweder Überschwemmungen oder Dürre in einem Jahr, heute sieht man beides. Bäuer*innen haben jahrelang keine gute Ernten.“
Arun Ambatipudi, Bio-Baumwolle-Experte, Indien
Aus: “Das Problem mit dem Durchschnitt: Warum LCAs Baumwolle und Wasser falsch darstellen” Von Ani Wells
“Die Wasserbilanz von Baumwolle zu verstehen bedeutet, die Menschen zu verstehen, die sie anbauen, wie sie Risiken managen und was das Land im Gegenzug verlangt. Dieses Verständnis kann nicht nur aus Durchschnittswerten entstehen. Es erfordert Zuhören, Lernen und den Aufbau von Beziehungen mit denen, die vor Ort arbeiten.”
Aus: “Das Problem mit dem Durchschnitt: Warum LCAs Baumwolle und Wasser falsch darstellen” Von Ani Wells
“Die Wasserbilanz von Baumwolle zu verstehen bedeutet, die Menschen zu verstehen, die sie anbauen, wie sie Risiken managen und was das Land im Gegenzug verlangt. Dieses Verständnis kann nicht nur aus Durchschnittswerten entstehen. Es erfordert Zuhören, Lernen und den Aufbau von Beziehungen mit denen, die vor Ort arbeiten.”
Aus: “Das Problem mit dem Durchschnitt: Warum LCAs Baumwolle und Wasser falsch darstellen” Von Ani Wells
“Während die Bekleidungs- und Textilindustrie weltweit Millionen von Arbeitsplätzen geschaffen hat, mehren sich die Belege, dass sie eine unserer wertvollsten, lebenswichtigsten Umweltressourcen aufzehrt: Wasser.”
Aus: “Über The Drip: Reflexionen zu Wasser und Nachhaltigkeit in der Mode- und Textilproduktion” Von Adiba Afros
The Drip wurde gefördert durch Engagement Global gGmbH mit Mitteln des BMZ und die Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit Berlin.